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Wild & Frei

Bis später. Eine Motorradreise alleine als Frau.

Wie kommt man auf die Idee, alleine als Frau mit dem Motorrad loszufahren? Über die Lust darauf, unkonventionelle Wege auf der Suche nach sich selbst zu gehen. 

Ursprünglich fing ich mit dem Motorradfahren an, weil es die beste Möglichkeit darstellte, mit sechzehn Jahren vom Dorf in die Stadt zu kommen. Und weil es mir das erste Mal eine unheimliche Freiheit ermöglichte: Ungebunden von Personen und Zeit, andere Orte zu erreichen. Ehrlich gesagt hat sich das bis heute nicht geändert. Vielleicht ist genau diese Möglichkeit des selbstbestimmten Unterwegs-Seins ein heimliches Versprechen? Dinge zu finden, nach denen wir nicht suchen, weil wir ihnen nirgendwo anders begegnen, als in einer fernen Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, die zugleich Angst macht und begeistert, die eben immer wieder, trotz alledem, Sehnsucht auslöst. 

Und genau diese Sehnsucht ist der Grund für meine Solo-Reise mit dem Motorrad. In 20 Tagen auf einer Strecke von 3.500 Kilometern durch die Länder Österreich, Italien, Frankreich und die Schweiz. Auf einer 125er HONDA Richtung Süden, mit einer Maximalgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Im Gepäck: Ein kleines Zelt, ein bisschen Kaffee und viel gute Musik. Ganz nach dem Credo: Einfach losfahren, mit einer hoffentlich sinnvollen Kombination von Plänen und Spontanität. 

Vielleicht braucht es manchmal eine gewisse romantische Vorstellungskraft, um die Grenzen von Realität und Naivität verschwimmen zu lassen?

Elizabeth Gilbert schreibt in ihrem Bestseller „Big Magic“ davon, dass wir vielleicht unser gesamtes Leben damit verbringen, einer Neugier zu folgen, mit dem Risiko, am Ende absolut nichts vorzuweisen zu haben – außer einer Sache. Genugtuung darüber zu verspüren, dass wir ein ganzes Leben in Hingabe an die edle, menschliche Tugend der Wissbegierde verbracht haben. Und das sollte mehr als ausreichend sein, dass man ein reiches und herrliches Leben geführt hat. 

Gerade in der heutigen Zeit als Teil einer Generation, die als Brückengeneration an der Schnittstelle zwischen „alten“ Denkweisen unserer Eltern und der hochdigitalen Generation nach uns steht, liegt der Fokus auf der Suche nach sich selbst und einem tieferen Sinn des Lebens. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man am meisten über sich und das Leben lernt, wenn man sich Herausforderungen stellt. Wenn man sich bewusst dem Risiko aussetzt, zu scheitern und – das mit der ebenso großen Wahrscheinlichkeit – zu wachsen. 

Muss man alleine mit dem Motorrad durch die Welt fahren, um sich selbst zu finden? 

Natürlich nicht, aber was spricht eigentlich dagegen? Jeder hat seine ganz eigene Art und einen eigenen Weg, Antworten zu finden. Für mich ist es diese Reise, die ich nicht nur für mich selbst mache. Es geht vielmehr darum, konventionelle Denkmuster aufzubrechen. Einen ersten Versuch zu starten, das Solo-Reisen mit dem Motorrad als Frau ein Stück weit aus der Schubladen-Nische zu nehmen. Denn es gibt so viel mehr zwischen einem All-Inklusive-Urlaub mit ganztägigem Buffet und Reizüberflutung und der Identifikation mit einer bestimmten Menschengruppe wie der klassischen „Biker-Szene“. Sowohl das Leben, als auch das Reisen sind persönliche Erfahrungen, die wir nach dem richten, was uns wichtig ist, was uns glücklich macht. 

Und das ist der eigentliche Grund für diese Reise. Unterwegs zu sein mit dem Motorrad verbindet mich auf besondere Art und Weise mit alledem, was mir am wichtigsten ist: Mit Menschen und der Natur. Aber auch mit den Erfolgen und Zweifeln, den Erlebnissen und Erkenntnissen, die eine solche Reise birgt. 

Es geht nicht darum, möglichst schnell an einem Ort anzukommen, sondern ganz bewusst Momente und Situationen zu erfahren, die mich ein Stück weiter an einen Punkt bringen – obwohl ich ehrlich gesagt noch nicht weiß, ob das wirklich der Ort ist, an dem ich ankommen will. Aber wenn ich es nicht versuche, werde ich es auch nicht herausfinden. 

Also bleibt nur Eines: Einfach loszufahren. 

Blogartikel von Laura Niklaus

laura_niklaus_portrait

Auf ihrer Website www.studiowoandertraveltales.de, dem dazugehörigen Podcast und auf Instagram unter laura_nkls berichtet Laura von den Erlebnissen auf ihrer Solo-Reise mit dem Motorrad.